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Hauswirtschaftskongress 2019

Wandel nachhaltig gestalten. Agenda 2030: für uns – mit uns

Die Hauswirtschaft präsentierte sich auf dem ersten Hauswirtschaftskongress am 23. und 24. September 2019 in Berlin als selbstbewusste, kämpferische und aufbruchsbereite Branche. 350 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Politik, Wirtschaft und den einschlägigen Hauswirtschaftsverbänden diskutierten zwei Tage lang, welchen Beitrag sie zu einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft leisten können. Politik und Wirtschaft wurden aufgefordert, das innovative Potenzial von Hauswirtschaft zu nutzen und zu fördern.

Dr. Christiane Averbeck, Geschäftsführerin der Klimaallianz Deutschland, stellte die Nachhaltigkeitsstrategie Deutschlands mit den Leitlinien Generationengerechtigkeit, Lebensqualität, sozialer Zusammenhalt und internationale Verantwortung vor. Sie forderte in ihrem Vortrag noch mehr Mut, die Klimaziele umzusetzen. Sie betonte, dass die Zivilgesellschaft der Politik ihre Bereitschaft zum Mitmachen zeigen und auf den notwendigen Wandel drängen müsse. Sie kritisierte deutlich das Klimaschutzpaket der Bundesregierung, das wenige Tage vor dem Hauswirtschaftskongress vorgestellt wurde. „Damit wird die Verantwortung für nachhaltige Entwicklung wieder in den privaten Bereich gedrängt.“

Dr. Melanie Speck vom Wuppertal Institut appellierte in ihrem Vortrag, die Zukunftsaufgabe des 21. Jahrhunderts als Geschenk nicht als Last zu begreifen. Werden Sie Zukunftskünstler und Librettisten für nachhaltigen Wandel. Laut Forschungsergebnisse kann der ökologische Fußabdruck in Haushalten und Unternehmen durch kleine Maßnahmen schon heute bis zu 30 Prozent gesenkt werden. Wenn dann noch mutige Entscheidung von der Politik kommen, könnten wir bei 50 Prozent liegen. Um die Klimaziele zu erreichen, ist es notwendig, den ökologischen Fußabdruck um über 73 Prozent zu senken.

Sarah Lillemeier, Bildungsreferentin beim Bildungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes, stellte in ihrem Vortrag den Comparable Worth-Index vor – ein Messinstrument, das berufliche Anforderungen und Belastungen geschlechtsneutral sichtbar macht. Warum verdienen Frauen immer noch weniger? Die Soziologin kommt zu dem Ergebnis: Die gängige Arbeitsbewertung benachteiligt Frauen in erheblichen Maße. Sie fordert eine „geschlechtsneutrale Arbeitsbewertung“. „Wir haben es bei den Sorgeberufen mit einem eklatanten Missverhältnis zwischen Anforderung und Bezahlung zu tun“, fasst Lillemeier das Ergebnis einer Studie der Uni Essen-Duisburg zusammen. 

Prof. Dr. Jana Rückert-John von der Hochschule Fulda bezeichnete hauswirtschaftliche Dienstleistungsbetriebe als Experimentierräume für gesellschaftliche Trends. Sie haben ein großes Potenzial, den gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit voranzutreiben. So könnten Großhaushalte soziale Innovationen wie Tauschen, Teilen, Mieten, Leihen, Do-it-yourself oder Do-it-together unterstützen, so dass aus den Modellversuchen strukturelle Veränderungen werden. 

Prof. em. Dr. Uta Meier-Gräwe und Prof. Dr. Christine Küster, Hochschule Fulda, sehen unsere Gesellschaft nicht nur vor einer Klimakrise, sondern auch vor einer Care-Krise. Und beides hängt nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen zusammen. Im Bereich Sorgearbeit werde unentgeltlich auf die Ressource Frau zurückgegriffen. Leidenschaftlich plädierte Uta Meier-Gräwe für Abschaffung der Minijobs, des Ehegattensplittings und der Steuerklasse 5. Das alles bringe Frauen Nachteile und führe zu dem großen Unterschied in der Rente von Frauen und Männern. Der Gender Pension Gap ist in Deutschland noch viel größer als der Gender Pay Gap. 

Die dafür notwendigen Voraussetzungen stellte die prominent besetzte Podiumsdiskussion klar: Sylvia Kotting-Uhl, MdB, Bündnis 90/Die Grünen, Vorsitzende des Bundestagsausschusses Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (vierte von links) sowie Antje Weusthoff vom Vorstand des Deutschen Frauenrates (zweite von rechts) und Kathrin Krause vom Verbraucherzentrale Bundesverband (dritte von links) konkretisierten die erforderlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen. „Nach den zwei Tagen Kongress bin ich sicher, dass die Domäne Hauswirtschaft Ihr Engagement für nachhaltige Entwicklung verstärkt,“ so Dorothea Simpfendörfer, Präsidentin des Deutschen Hauswirtschaftsrates (rechts im Bild). Sie forderte am Ende alle Teilnehmenden auf, in ihren beruflichen Handlungsfeldern, ihren Verbänden und politischen Gremien die notwendigen Rahmenbedingungen einzufordern. Grundlage dafür ist die Erklärung „Hauswirtschaft als Schlüssel zur nachhaltigen Entwicklung“, die aufzeigt, wie hauswirtschaftliches Potenzial in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesrepublik Deutschland zur Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen (SDG) genutzt werden sollte. Die Erklärung fordert Politik und Wirtschaft auf, das innovative Potenzial von Hauswirtschaft und Haushaltswissenschaft zu fördern.

Am Nachmittag des ersten Tages hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, an einem von neun Workshops teilzunehmen zu den Themen: 

  • Der Arbeitsmarkt für haushaltsnahe Dienstleistungen: Nachhaltige Handlungsperspektiven durch Professionalisierung – Strategien und Beispiele
  • Attraktiv. Zukunftsfähig. Notwendig. Die Forderungen des Zweiten Gleichstellungsberichtes umsetzen
  • Hauswirtschaftliche Berufe: wir qualifizieren für morgen
  • Das bewirkt Hauswirtschaft! Gesundheit und Wohlergehen bei Menschen mit Demenz nachhaltig fördern und aktivieren
  • Professionalisierung der Hauswirtschaft als Beitrag zur (nachhaltigen) rechtlichen Gleichstellung der Frau: gestern - heute – morgen
  • Hauswirtschaft und Digitalisierung
  • Nachhaltigkeit in sozialen Einrichtungen
  • Nachhaltigkeit in der Gemeinschaftsverpflegung
  • Zukunft sichern durch nachhaltige Lebensstile

Der erste Hauswirtschaftskongress war eine Kooperationsveranstaltung des Deutschen Hauswirtschaftsrates und fünf seiner Mitgliedsverbände: Berufsverband Hauswirtschaft, Bundesverband haushaltsnaher Dienstleistungsunternehmen (BHDU), Bundesverband hauswirtschaftlicher Berufe MdH, Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft (dgh), und Deutscher Evangelischer Frauenbund (DEF) sowie der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Für den Berufsverband Hauswirtschaft waren Präsident Frank Wickert-Meuser und Geschäftsführerin Beate Imhof-Gildein mit im Team. Schirmherrin der Veranstaltung ist Bundesministerin Julia Klöckner.

 

Die Präsentationen der Referent*innen im Plenum und in den Workshops finden Sie auf www.hauswirtschaftsrat.de/hauswirtschaftskongress/workshop-unterlagen.html. Für Bilder verwenden Sie diesen Link: www.hauswirtschaftsrat.de/hauswirtschaftskongress/medien.html.