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Jahrestagung 2018

Ein starkes Netzwerk für die Hauswirtschaft

130 Verantwortliche aus der Hauswirtschaft trafen sich in Rösrath bei Köln vom 23. bis 24. April zur 46. Jahrestagung des Berufsverbandes Hauswirtschaft. Rund um das Tagungsthema „Kompetenz – Konkurrenz – Kooperation“ gab es zahlreiche Präsentationen zu klassisch hauswirtschaftlichen Themen, aber auch Vorträge, die den Horizont erweitern, fit für den Arbeitsalltag machen, die Führungskompetenzen stärken oder neue Beschäftigungsfelder aufzeigen. Deutlich wurde bei dieser Tagung aber auch einmal wieder: Hauswirtschaft ist zukunftsfähig, Hauswirtschaft wird gebraucht und Hauswirtschaft hat die Kompetenz, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Aufgabe der Hauswirtschaft wird es mehr denn je sein, sich in die aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen einzumischen.   

Mit Frank Rock sprach ein Mitglied des Landtages in Nordrhein-Westfalen ein sympathisches Grußwort. Er selbst war beeindruckt von der Hauswirtschaft. „Der Beruf ist so vielfältig“, meinte der Politiker. Er ermunterte die Tagungsteilnehmer und -teilnehmerinnen, noch mehr mit anderen Verbänden in der Hauswirtschaft zusammenzuarbeiten. „Eine starke Gemeinschaft bringt politische Wertschätzung.“ Rock versprach, den Präsidenten des Berufsverbandes Hauswirtschaft Frank Wickert-Meuser einzuladen, um in den politischen Gremien über die Bedeutung der Hauswirtschaft zu berichten.

Felix Gaudo überzeugte als erster Referent damit, dass Humor das wirksamste Mittel gegen Stress ist. Der Moderator, Comedian, Trainer und Klinikclown ist überzeugt, dass humorvolle Menschen leistungsfähiger, flexibler, kontaktfreudiger und gesünder sind. Das sei sogar wissenschaftlich erwiesen. „Humor ist eine Kunst, die man erlernen und trainieren kann“, so Gaudo.

„Nass ist nicht gleich sauber.“ Unter diesem Motto machte sich Andrea Schlatter, Sachgebietsleiterin Gebäudereinigung im Universitätsklinikum Freiburg, und ihr Hauswirtschaftsteam vor vier Jahren auf, die Reinigung zu revolutionieren.  Darüber berichtete sie in ihrem Vortrag „Staubbindendes Wischverfahren der Fußbodenbeläge“. Ein Großteil der Böden wird nur noch bei Bedarf nass gereinigt, ansonsten werden die Flächen trocken gereinigt. Begleitende mikrobiologische Untersuchungen zeigten, dass die Keimbelastung der Böden nach der Trockenreinigung niedriger ist als nach der Nassreinigung.

Dr. Rupert Kawka vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung kann sich gut vorstellen, dass Fachkräfte der Hauswirtschaft in Zukunft wichtige Aufgabe in der Entwicklung von Stadtteilen übernehmen. In seinem Vortrag „Kompetenzen im Wandel der Zeit“ stellte er einige Modellprojekte im Bereich Quartiersmanagement vor, bei denen Hauswirtschaft bereits gezeigt hat, dass sie für Organisationskompetenz, Verantwortungsbewusstsein und Kreativität stehe. Vielleicht könnte Stadtteilentwicklung oder Quartiersmanagement sogar ein neuer Schwerpunkt in der hauswirtschaftlichen Ausbildung werden, so die Anregung von Kawka.

Einen anderen Blick auf unser Wirtschaftssystem ermöglichte Tobias Daur, Berater für Gemeinwohlökonomie (rechts im Bild mit Dorothea Simpfendörfer, Präsidentin des Deutschen Hauswirtschaftsrates und Frank Wickert-Meuser, Präsident des Berufsverbandes Hauswirtschaft). Die Gemeinwohlökonomie schlägt eine alternative Wirtschaftsweise vor, bei der nicht Profitmaximierung und Wachstum um jeden Preis die Ziele des unternehmerischen Handelns sind, sondern die Förderung des Gemeinwohls. In dem Vortrag „Wie gehen Ökonomisches und Soziales zusammen?“ erläuterte Daur das Zertifizierungsverfahren, mit dem Unternehmen überprüft werden können, wo sie auf dem Weg zur Nachhaltigkeit stehen. Dass man mit dieser Wirtschaftsweise auch am Markt erfolgreich sein kann, zeigt eine Reihe von Unternehmen, die das Zertifizierungsverfahren für Gemeinwohlökonomie durchlaufen haben.

Für M. Christine Klöber, selbstständige Unternehmensberaterin, sind Netzwerke nicht dafür gemacht, Einzelinteressen in den Vordergrund zu stellen, sondern mit einer Vielzahl von Gleichgesinnten vertrauensvoll in einen guten Austausch zu treten und gemeinsam durch diesen Austausch zu profitieren. Die 70-20-10-Regel sollte dabei als Leitlinie gelten, das heißt 70 Prozent der Zeit nutzen, um anderen zu helfen, 20 Prozent, um sich selbst zu präsentieren und 10 Prozent der Zeit, um andere um Hilfe zu bitten. Sind sich die Teilnehmenden in ihren Zielen des Netzwerkes einig, ergibt sich das Nehmen von selbst, ist die Referentin überzeugt.

Gedanklich entführte Alexander Schmidt, Berater im Bereich Hauswirtschaft, die Tagungsteilnehmer und -teilnehmerinnen auf ein Kreuzfahrtschiff. Besonders spannend ist es am Wechseltag, wenn morgens tausende Gäste von Bord gehen, die alle rechtzeitig ihre Koffer in Empfang nehmen möchten und nachmittags wieder tausende Gäste an Bord gehen, um ihre einmalige Traumreise zu erleben. In wenigen Stunden werden Tausende Kabinen gereinigt und viele Tonnen Wäsche gewaschen. Logisch, dass hier jeder Ablauf optimiert werden muss und nichts dem Zufall überlassen bleiben darf.  

Dr. Alexandra Brutzer, Diplom-Pädagogin am Institut für Erziehungswissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen, erläuterte was Hauswirtschaft braucht, damit das Berufsfeld auch in Zukunft noch als wichtig wahrgenommen werde. „Sie müssen dranbleiben, in die aktuellen bildungspolitischen Themen einsteigen und immer wieder betonen, dass es ohne Hauswirtschaft nicht geht.“ Bei einer eventuellen Neuordnung des Ausbildungsberufes müssten Herausforderungen wie Digitalisierung oder demografischer Wandel berücksichtigt werden, damit zukünftige Führungskräfte für den Beruf fit gemacht werden.

Unter den 130 Tagungsgästen waren auch 25 angehende hauswirtschaftliche Betriebsleiterinnen, Schülerinnen der Alice-Salomon-Schule in Linz, die berufsbegleitend eine dreijährige Ausbildung zur hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin absolvieren. In einem eigenen Workshop befassten sie sich mit ihrer Rolle als zukünftige Führungskräfte. Deutlich wurde, dass sie auch von älteren und erfahreneren Berufskolleginnen ernst genommen werden wollen. Selbstbewusst vertraten sie die neue Generation von Führungskräften in der Hauswirtschaft. Sie sehen neue Herausforderungen in ihrem Berufsalltag, auf die in der Ausbildung oder in der Schule noch viel zu wenig eingegangen wird. Als Beispiel nannten sie Digitalisierung, neue Ernährungsformen sowie Vielfalt nicht nur bei den Mitarbeitern, sondern auch bei den Bewohnern, Kunden und Gästen. „Der Beruf ist gut, aber die Wahrnehmung des Berufes ist falsch“, so eine angehende HBL. „Da muss frischer Wind rein.“ 


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