Infodienst 4 / Dezember 2023

Alle Aufgaben im Überblick Reinigung in Kindertagesstätten Gutscheine für Hilfe im Alltag? Reinigung Dezember 2023 Infodienst4 www.berufsverband-hauswirtschaft.de

3 Editorial Urte Paaßen Liebe Leser und Leserinnen, Urte Paaßen Unseren Mitgliedern wünschen wir ein frohes Weihnachtsfest. Wir danken allen, die sich für den Berufsverband Hauswirtschaft und für die Zukunft der professionellen Hauswirtschaft engagieren. Wir freuen uns auf weitere gute Zusammenarbeit im neuen Jahr, um gemeinsam die Hauswirtschaft zu stärken. Frohe Feiertage und einen guten Start in das neue Jahr. Das Präsidium des Berufsverbandes Hauswirtschaft sparen, sparen, sparen: Das war jahrelang das Motto bei der Reinigung. Wurde eine Trockenreinigung eingeführt und dadurch Zeit gespart, wurde diese oftmals nicht genutzt, um an anderer Stelle gründlicher oder häufiger zu reinigen, sondern um Personalstunden einzusparen. Das Ergebnis lässt sich in einigen Sanitäranlagen in Krankenhäusern bewundern, wo ich mehr als einmal davon träumte, mit dem Dampfreiniger einmal gründlich klar Schiff zu machen. Heute bekommt die Qualität der Reinigung in vielen Bereichen wieder einen höheren Stellenwert, und es wird versucht, intelligent zu sparen. Durch Digitalisierung können Arbeitsabläufe effizienter gestaltet und die Personaleinsatzplanung erleichtert werden. Ebenso ermöglicht sie, leichter mit den Beschäftigten zu kommunizieren und zusätzliche Aufträge schneller zu bearbeiten. Im Artikel „Smart reinigen“ auf Seite 8 werden Ihnen fünf digitale Angebote für die Reinigung vorgestellt. Eine gründliche Reinigung ist nur mit guten und engagierten Mitarbeitenden zu schaffen. Der Caritasverband der Stadt Köln e. V. hat sich mit der CariClean gGmbH aufgemacht, ein Reinigungsunternehmen zu gründen, in dem Menschen mit Behinderung arbeiten können. Und das mit großem Erfolg: CariClean plant für 2024 erneut ein Wachstum von 30 Prozent. Mehr zu diesem interessanten Unternehmen erfahren Sie auf Seite 11. Ein Kollege ganz anderer Art sind Reinigungsroboter. Roboter sind für viele Räumlichkeiten wie lange Flure oder große Freiflächen hervorragend geeignet. Aber sie können beileibe nicht alles. Um Wände nicht zu beschädigen, halten sie Abstand und große Geräte schaffen es nicht unter Tischen oder Regalen zu reinigen. Diese Flächen müssen nach wie vor von Menschen gereinigt werden. Deren Arbeit kann durch Reinigungsmaschinen erleichtert, aber nicht ersetzt werden. Allerdings muss bei der Anschaffung solcher Maschinen einiges bedacht werden. In einer Kita ist das Platzangebot häufig begrenzt, weshalb geprüft werden muss, welche Flächen überhaupt mit einem Reinigungsroboter erreicht werden können und ob am Ende auch Platz für die Lagerung des Gerätes vorhanden ist. Auch müssen die Mitarbeiter*innen mit dem Gerät zurechtkommen. In dem Artikel „Viele Fragen und noch wenige Antworten“ lesen Sie interessante Überlegungen zur Reinigung in Kindertagesstätten ab Seite 16. Ich wünsche Ihnen viel Spaß und gute Erkenntnisse für Ihren beruflichen Alltag beim Lesen dieser Ausgabe des Infodienstes! Infodienst 4/23

Infodienst 4/23 4 Editorial Mit Dank an unsere Sponsoren: Inhalt 6 EcoCleaner: Die Profis der Reinigung 8 Smart reinigen 11 Inklusion als Erfolgsmodell? 12 Neuer Kollege im Team 14 Mehr als Umweltschutz 16 Viele Fragen und noch wenige Antworten 22 Wann kommt das Gutscheinmodell? 24 Ein persönlicher Messerundgang 26 Diese Fragen müssen gestellt werden 28 Kostenfalle: Falsche Gewohnheiten 29 Alltagshilfe statt Reinigungskraft 30 Präsidiumssitzung 31 Hauswirtschaftskongress 2025 in Köln 32 Bayern 33 Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen 34 Rhein/Ruhr/Niederrhein, Eingliederungshilfe 35 Weltkongress und Wettbewerb 37 Unsere Jubilare 38 Menschen im Berufsverband 39 Fortbildungen 40 Digitale Weiterbildung für Reinigungskräfte 41 Handbuch zur Gestaltung von Reinigungsdienstleistungen 42 Unsere neuen Mitglieder 42 Impressum 3 Aus dem Berufsverband Aus der Berufspraxis Service S. 8 Alle Aufgaben im Überblick S. 16 Reinigung in Kindertagesstätten S. 22 Gutscheine für Hilfe im Alltag? Berufsverband Hauswirtschaft auf Facebook Nachhaltigkeit Digitalisierung Reinigung Gebäudereinigung Nachhaltigkeit Reinigung in Kitas Haushaltsnahe Dienstleistungen CMS 2023 Reinigung im Hotel Betriebswirtschaft Haushaltsnahe Dienstleistungen Aktuelles Deutscher Hauswirtschaftsrat Landesverbände Netzwerke IFHE Ihre Ansprechpartner Karriere Für Sie kurz notiert Gehört & Gelesen Wertgeschätzt & willkommen Titelfotos: AdobeStock_Yaqthan; AdobeStock_Fractal Pictures; AdobeStock_aprilian;AdobeStock_Robert Kneschke

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6 Infodienst 4/23 Die Anforderungen an Reinigungskräfte sind hoch. Die meisten Mitarbeitenden in der Reinigung in Kliniken, sozialen Einrichtungen, Schulen, Büro- und Industriegebäuden sind ungelernt. In Bezug auf Erwerb von Kompetenzen, auf Arbeitssicherheit, auf akzeptable Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten sind sie vom Engagement des jeweiligen Arbeitgebers abhängig. Entwicklungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen gibt es in der Branche kaum. Das Konzept Eco Cleaner, das 2011 bis 2013 im Rahmen des Leonardo-da-Vinci-EUProjekts entwickelt und erprobt wurde, setzt hier an. Es ist ein europäisch einheitliches Weiterbildungsprojekt zum Thema ökologisches und nachhaltiges Reinigen für Reinigungskräfte und deren Trainer/ Multiplikatoren. Ziel war und ist es, formal geringqualifizierte Reinigungskräfte zu fördern und zu qualifizieren – und dies nicht nur im Sinne der ökologischen, sondern auch der ökonomischen und vor allem sozialen Nachhaltigkeit. Dazu werden hauswirtschaftliche Führungskräfte als Trainer*innen befähigt, eigene Mitarbeiter*innen im Reinigungsbereich oder auch Reinigungskräfte anderer Unternehmen zu schulen – und zwar in Deutschland ausschließlich vom Berufsverband Hauswirtschaft. Seitdem wurden 600 Reinigungskräfte zu Eco-Cleanern geschult. Doch was ist das Besondere an qualifizierten Eco Cleanern? • EcoCleaner kennen den Zusammenhang zwischen Reinigung, Nachhaltigkeit und Umwelt. Durch das gesamte Schulungsprogramm zieht sich ein roter Faden, der deutlich macht, wie durch planvolles und zielgerichtetes Reinigen Materialien, Ressourcen (auch menschliche) und Umwelt geschont werden können. • EcoCleaner wissen um ihren Stellenwert und ihre Aufgaben: Sie erfahren, wie wichtig ihre Arbeit für den Werterhalt, die Hygiene, das Wohlfühlen und den Umweltschutz ist. Sie verstehen sich als Dienstleister und ziehen Selbstbewusstsein aus diesem Wissen. • EcoCleaner wissen, woraus Schmutz besteht, was Sauberkeit für Menschen bedeutet und was hinter dem Begriff Hygiene steckt: Wann wir etwas als sauber oder schmutzig empfinden, warum Hygiene mehr als Desinfektion ist und welche Wirkung die Reinigung ganz direkt auf die Menschen hat, gehört zu ihrem Erfahrungsschatz. • EcoCleaner kennen die Grundlagen der Reinigungstechnik: Sie kennen das Prinzip des Sinner‘schen Kreises, sie EcoCleaner: Die Profis der Reinigung Reinigungskräfte tragen bei ihrer Arbeit eine hohe Verantwortung. Es gilt, für hygienische Sauberkeit zu sorgen, ein Wohlfühlklima zu erzeugen, Einrichtung und Ausstattung pfleglich und ressourcenschonend zu behandeln und nicht zuletzt das, was andere verschmutzt, benutzt und in Unordnung gebracht haben, wieder in bester Optik und neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Infodienst 4/23 7 sind versiert im Umgang mit Reinigungsutensilien und Reinigungsmaschinen und sie wissen, wann sie welche Reinigungsmethoden und Reinigungsverfahren einzusetzen haben. • EcoCleaner erkennen Reinigungsmittel als mögliche Gefahrstoffe: Sie wissen um die teils gefährlichen Inhaltsstoffe von Reinigungs-, Pflege- und Desinfektionsmitteln und können sich selbst, die Umwelt, ihre Kund*innen und die zu pflegenden Materialien vor diesen Stoffen schützen. • EcoCleaner kennen sich mit unterschiedlichen Materialien aus: Sie kennen verschiedene Bodenbeläge und Oberflächen und deren Eigenschaften sowie Anforderungen. Sie wissen, wie sie effektiv und effizient umwelt- und materialschonend sowie werterhaltend reinigen und pflegen können. • EcoCleaner wissen um das „wann?” und „wie” der Desinfektion: Sie treten Bakterien, Viren, Schimmelpilze und Co. furchtlos entgegen, denn sie kennen ihre Lebensräume und -bedingungen, ihre Vermehrungsstrategien und ihre Übertragungswege. EcoCleaner wissen, mit welchen Hygienemaßnahmen sie diese in Schach halten können. • EcoCleaner kommen mit heiler Haut davon: Sie wissen um die Wichtigkeit des Hautschutzes und um die Bedeutung der Hände, sie tragen Handschuhe richtig und halten sich an den Händehygiene- und Hautschutzplan. • EcoCleaner arbeiten überlegt und ergonomisch: Kräfte- und rückenschonendes Arbeiten ist für sie eine Selbstverständlichkeit, sie setzen Geräte und ihre Kräfte bewusst ein, achten auf sich und ihre Kolleg*innen und machen Vorschläge zur Arbeitserleichterung. • EcoCleaner wissen um die Bedeutung von Abfällen und Müll als Wertstoffe und entsorgen sie fachgerecht: Abfallvermeidung, Abfalltrennung, Abfallverwertung sind für sie keine Fremdworte. Sie schonen Ressourcen und schützen die Umwelt durch fachgerechte Sammlung, Verwertung und Entsorgung im Sinne der Nachhaltigkeit. • EcoCleaner gehen souverän mit Menschen um: Ob Vorgesetzte*r, Mitarbeiter*in, Bewohner*in, Patient*in oder Klient*in – im direkten Umgang mit den Personen, für die sie arbeiten, sind EcoCleaner geschult. Wer als Führungskraft seine Reinigungskräfte zu EcoCleanern ausbilden möchte, kann an einem EcoCleanerTrainer-Seminar des Berufsverbandes Hauswirtschaft teilnehmen. Carola Reiner, EcoCleaner-Master Trainerin Nächste Termine: Online-Teil: 5. Dezember 2024 Präsenz-Teil: 28. Januar 2025 in Frankfurt/Main Weitere Informationen finden Sie unter: www.berufsverband-hauswirtschaft.de/ fortbildung/ecocleaner/ Hiwet Kesete ist die 600. „Eco-Cleanerin“ in Deutschland Hiwet Kesete (rechts), Mitarbeiterin in der Nieder-Ramstädter Diakonie, ist die 600. Eco-Cleanerin in Deutschland. Im Rahmen einer kleinen Feier fand die Zertifikatsübergabe statt. Diese wurde von Merle Schendera, Auszubildende und selbst EcoCleanerin, als Teil ihrer Prüfung geplant und durchgeführt. Bereits im Frühjahr 2023 wurden in der Nieder-Ramstädter Diakonie im Rahmen eines Pilotprojekts drei Mitarbeitende aus dem Bereich Service & Care zu „EcoCleaner*innen“ ausgebildet. Diese verfügen damit über das notwendige Wissen für eine wirtschaftliche und umweltschonende Reinigung. Inzwischen haben fünf weitere Mitarbeitende (drei Reinigungskräfte und zwei Auszubildende) die Qualifizierung erfolgreich abgeschlossen. Im Geschäftsbereich Service & Care hat Nachhaltigkeit einen festen Platz. Dazu gehören auch zahlreiche Präventions- und Gesundheitsangebote. Monika King (links), zertifizierte Eco-Clean-Trainerin, freut sich mit Bereichsleiterin Andrea Delp, dass aus dem Pilotprojekt ein etabliertes Weiterbildungsangebot wurde. „Unser Ziel ist es, möglichst viele der rund 150 Reinigungskräfte im Betrieb in nachhaltiger Reinigung zu qualifizieren“, sagt Monika King. Das nächste Schulungsangebot ist für Anfang 2024 geplant. Erste Interessentinnen haben sich bereits angemeldet. Grundlage ist das Fortbildungskonzept, das der Bundesverband Hauswirtschaft e. V. in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Umweltberatung e. V. entwickelt hat.

Alle Lösungen, die hier beschrieben werden, verwenden einen Cloud-Service, damit auf die Daten an verschiedenen Orten und mit unterschiedlichen Endgeräten zugegriffen werden kann. Ein beständiger Zugang zum Internet ist oftmals nicht notwendig. Einige Anwendungen bieten einen Offline-Modus, andere benötigen den Netzzugang beim Starten der App und beim Versenden bzw. Synchronisieren der Daten. Der Offline-Modus ermöglicht es, in allen Räumen eines Hauses unabhängig von der Qualität der Internetverbindung arbeiten zu können. Neben der Erstellung von Dienstplänen und der Zeiterfassung von Mitarbeitenden bieten viele auch ein TicketSystem. Ticket-Systeme sind eine Software-Lösung, um Anfragen oder Aufträge systematisch zu bearbeiten und zu klassifizieren. Tickets können einer Abteilung oder Person zugeteilt und weitergeleitet werden, bis das Ticket erfolgreich bearbeitet wurde (closed ticket). Das Ticket-System soll sicherstellen, dass ein Arbeitsauftrag nicht verloren geht und einen Überblick über die Vorgänge ermöglichen. Ein weiterer Vorteil von digitalen Lösungen ist, dass sie Mehrsprachigkeit bieten, Arbeitsanleitungen und To-do-Listen können in der jeweiligen Muttersprache der Mitarbeitenden präsentiert werden. Qualitätssicherung mit innovativer Software QS-Software e-QSS von Neumann & Neumann Software und Beratungs GmbH – (www.neumann-neumann. com/de/software-e-qss/) Hierbei handelt es sich um ein umfangreiches Software-Paket, das an die Anforderungen verschiedener Gewerke angepasst werden kann. Es handelt sich hierbei nicht um eine spezielle Anwendung für das Reinigungsgewerbe. Mitarbeitende, die in den Objekten arbeiten, erhalten über ein Smartphone zu Dienstbeginn eine To-do-Liste übertragen. Diese Aufgabenliste wird durch Arbeitsanweisungen und eventuell Abbildungen ergänzt. Zusätzlich wird auf dem Endgerät die Arbeitszeit erfasst. Die Daten werden automatisch an den Server übertragen. Am Computer lassen sie sich – grafisch aufbereitet – im sogenannten Cockpit einsehen. Umgekehrt können Tickets und Sonderaufträge auf das Smartphone von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übertragen werden. Die Übertragung der Arbeitszeit erleichtert später die Lohnabrechnung, weil die Daten früher zur Verfügung stehen. Außerdem entspricht die Arbeitszeiterfassung damit schon jetzt dem Gesetzentwurf des Bundesarbeitsministeriums, nachdem Unternehmen sicherstellen müssen, dass die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten genau erfasst wird. Darüber hinaus sieht der Gesetzentwurf die elektronische Erfassung der Arbeitszeit vor. Ausnahmen sollen für Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitenden bestehen oder können zwischen Tarifpartnern vereinbart werden. Zusätzlich können mit der Software Hygienekontrollen in der Küche vereinInfodienst 4/23 8 Smart reinigen Für die Gebäudereinigung gibt es inzwischen zahlreiche SoftwareAngebote, die versprechen, die Prozesse zu verbessern und die Arbeit zu erleichtern. Allerdings muss in der Regel erst einmal Zeit investiert werden, bevor Zeit gespart werden kann. Die Auswahl an Softwaresystemen für die Branche ist groß. Unsere Autorin Urte Paaßen stellt beispielhaft einige Software-Angebote, die sich in der Praxis bewährt haben, vor. Mit Softwareangeboten für die Reinigungsbranche haben Mitarbeitende den Überblick über alle anstehenden Arbeiten. AdobeStock_Fractal Pictures

facht werden. Dabei erhalten Sie vorbereitete Fragen wie „Sind die Geräte und Maschinen in der kalten Küche sauber?” auf ein mobiles Endgerät, die Sie mit „Nein”, „Teils” oder „Ja” beantworten können. Eventuelle Verschmutzungen lassen sich fotografisch dokumentieren. Ebenso lässt sich die Arbeitsorganisation überprüfen. Auch hier werden vorbereitete Fragen aus einem Fragenkatalog z. B. bei der Begehung eines Reinigungsmittelraumes beantwortet. Mögliche Fragen in diesem Fall wären: Liegen Sicherheitsdatenblätter und Betriebsanweisungen zu den Reinigungsmitteln vor? oder Sind verschiedenfarbige Reinigungstücher vorhanden? Es ist möglich, die Anwendung/ Checklisten an verschiedene Gegebenheiten im Betrieb anzupassen. Ein weiteres Feature ist der Einsatz von QR-Codes für die Durchführung einer Befragung, zur Bestätigung eines Auftrags oder zur Erteilung eines Auftrags. In einem QR-Code lassen sich verschiedene Informationen wie beispielsweise ein Link unterbringen. Dieser Link bringt Sie dann zu einer Befragung oder zu einem Auftragsformular, indem Sie Dinge des täglichen Bedarfs nachbestellen können. Die Bestätigung eines Arbeitsauftrages per QR-Code haben Sie vielleicht schon mal bei Reklametafeln beobachten können. Hier scannt der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin nach dem Einsetzen neuer Werbetafeln einen QR-Code, zum Beispiel um zu dokumentieren wann und wo die Arbeit ausgeführt wurde. Voraussetzung für die Nutzung einer Software wie e-QSS ist, dass anfangs die Daten des Betriebes aufgenommen und Fragen erstellt werden. Von der Personalplanung bis zur Qualitätssicherung Soniq IQ – www.soniq.tech/soniq-iq Das Unternehmen aus Berlin arbeitet unter anderem seit 2019 mit der Firma Kärcher zusammen. Diese Anwendung ist auf die Bedürfnisse der Reinigungsbranche zugeschnitten. Sie können mit Soniq IQ Schichtpläne und Arbeitsanweisungen für die Mitarbeitenden erstellen. Die Schichtplanung wird durch den Umstand vereinfacht, dass Krankheitsund Urlaubsmeldungen digital möglich sind. Die Arbeitspläne erscheinen zu Dienstbeginn bei den Mitarbeitenden auf dem Smartphone. So kennt jede*r den Zeitplan und weiß, bei welchem Kunden welche Leistungen erbracht werden müssen. Über das mobile Endgerät können Mitarbeitende auch an Arbeitsaufträge erinnert werden und bleiben in Echtzeit auf dem Laufenden. Nachrichten können über einen integrierten Messenger gesendet werden. Ebenso lässt sich mit Soniq IQ die Arbeitszeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfassen. Nicht zuletzt ist ein TicketSystem eingebettet. Die Software vereinfacht nicht nur die Leistungsdokumentation, die Daten von Kunden und Beschäftigten lassen sich in die Software einpflegen. Außerdem ist es möglich, Geräte und Verbrauchsgüter einzupflegen. Nutzer*innen können mit wenigen Klicks nicht nur sehen, an welchem Standort ein Gerät steht, sondern bei Bedarf auch die Betriebsanweisung für das betreffende Gerät abrufen. Um die Qualität der Arbeit überprüfen zu können, lassen sich Inspektionen von Räumen im Voraus planen. Relativ einzigartig ist die Verwendung von Sensoren. Die Sensoren informieren Sie beispielsweise über den Füllstand von Mülleimern oder Seifenspendern. Meldet ein Sensor einen niedrigen Füllstand in einem Seifenspender, können Sie rechtzeitig nachfüllen und ersparen Sie sich überflüssige Wege, um persönlich den Füllstand zu überprüfen. Reinigungswagen wird zur Schaltzentrale VERMOP ONe – www.vermop.com/ de-de/soft/eggstacy/ Einen völlig anderen Ansatz verfolgt die Firma Vermop. Sie bietet ein integriertes System aus Reinigungsequipment (Tools), Reinigungschemie (Liquid), Reinigungsmaschinen (Power) und der dazugehörigen Software (Soft) an. Herzstück für die Beschäftigten in der Reinigung ist ein Systemwagen mit einem fest installierten Infotainer. Hierbei handelt es sich um einen Bildschirm, der über die Cloud mit dem Unternehmen verbunden ist. Auf dem Infotainer erscheint der Reinigungsplan in leicht verständlichen Piktogrammen und es lassen sich bei Bedarf wichtige Informationen wie Hautschutzpläne, Sicherheitsunterweisungen oder Anwendungsvideos auf dem Bildschirm anzeigen. Haben Kunden Sonderwünsche, können diese zum Infotainer geschickt werden. Infodienst 4/23 9 Was ist vor der Einführung zu bedenken? – Welche Ziele möchten Sie erreichen? – Welche Funktionalitäten muss das System haben? – Warum möchten Sie das System einführen, welches sind die Vorteile? – Wie viel Zeit können Sie für die Einführung der digitalen Lösung erübrigen? – Welche finanziellen Mittel stehen Ihnen zur Verfügung? – Trägt die Belegschaft die Entscheidung zur Digitalisierung mit? – Ist es möglich, Schulungen für die Mitarbeitenden durchzuführen? – Gibt es eine zuverlässige Anlaufstelle für Mitarbeitende, wenn Sie Probleme mit dem System haben? – Geben Sie Gelegenheit für Feedback. – Einige Systeme erlauben eine engmaschige Überwachung der Mitarbeitenden. Vor der Einführung muss geklärt werden, ob die Form der Überwachung mit geltendem Recht im Einklang steht. Grundsätzlich ist bei der Nutzung solcher Software der Betriebs- oder Personalrat zu beteiligen. – Ist Datenschutz und Datensicherheit bei den Cloud-Services gewährleistet? – Falls das Unternehmen seinen Dienst einstellt, sollte die Weiterverarbeitung der Daten gewährleistet sein, z. B. durch eine Export-/Sicherungsoption aller Daten, in ein Format, das mit Standard-Software zu lesen ist.

An den Infotainer können verschiedene Reinigungsgeräte bzw. -maschinen des Herstellers gekoppelt werden. Die Arbeitsmittel sind mit einem Bewegungssensor ausgestattet, der über eine Drahtlosverbindung die Dauer der Bewegungszeit zum Infotainer sendet. Anschließend werden die Bewegungsdaten dem im Infotainer angezeigten Raum und der entsprechenden Leistung zugeordnet. Später können die übermittelten Daten weiterverarbeitet werden. Genauso wie bei den anderen Softwarelösungen sind eine Arbeitszeiterfassung und ein Ticket-System für Reklamationen und Sondereinsätze integriert. Die gesammelten Daten wie beispielsweise Reinigungszeiterfassung, Raumbuchanlage, Logbuch Dokumentation, integrierte Qualitätschecks und Ticketerstellung sind in einem Webportal einsehbar. Darüber hinaus können der Stand der Reinigungstouren in Echtzeit angezeigt und die konkreten Soll- und Ist-Zeiten der Reinigung abgerufen werden. Kunden können mithilfe von QRAufklebern oder Terminals mit Symboltastern ihre Zufriedenheit mit der Sauberkeit in der Einrichtung mitteilen. Digitales Management für mehr Effizienz Miele MOVE Clean+ – www.miele.de/ de/m/miele-move-clean-digitalesmanagement-fuer-mehr-effizienz-inder-gebaeudereinigung-6859.htm Die Software läuft unabhängig von Miele-Geräten und besteht aus 14 konfigurierbaren Modulen. Die Anwendung bietet die Möglichkeit, Dienstpläne zu erstellen und die Arbeitszeit zu erfassen. Allerdings stehen für die Erfassung der Arbeitszeit verschiedene Möglichkeiten wie Bestätigungsfelder in der App, das Scannen von Barcodes und NFC-Tags oder auch die Übermittlung der Arbeitszeit per Telefon zur Verfügung. Die auszuführenden Arbeiten für die Mitarbeitenden erscheinen in einer smarten To-do-Liste. Die angezeigten Reinigungsschritte sowie das Intervall ändern sich automatisch, wenn Räume als infektiös markiert werden. Um Mitarbeitenden Sonderaufträge zu übermitteln, können Push-Mitteilungen auf das mobile Endgerät gesandt werden. Für die Qualitätskontrolle können die Räume nach zuvor definierten Kriterien kontrolliert und in der App protokolliert werden. Bei der Durchführung wird ein Fragenkatalog durchgearbeitet, allerdings stehen für die Beantwortung fünf Smileys von lächelnd dunkelgrün bis unfreundlich dunkelrot zur Verfügung. Die Auswahl der Räume, die kontrolliert werden sollen, kann von einer verantwortlichen Person vorgenommen oder einem Zufallsgenerator überlassen werden. Mithilfe eines integrierten TicketSystems können Auffälligkeiten oder Mängel automatisch gemeldet werden. Zum besseren Verständnis oder als Nachweis erledigter Arbeiten können Fotos hinzugefügt werden. Das Ergebnis lässt sich in einem Protokoll zusammenfassen. Der erstellte Qualitätsbericht umfasst alle wichtigen Informationen in Form von Grafiken, Statistiken, Kennzahlen und Bildern. Darüber hinaus gibt es Module wie „Schlüsselmanagement”, „Fuhrparkverwaltung” sowie „Schulungsverwaltung”. Mit dem Modul „Schlüsselmanagement” können Schlüsselübergaben dokumentiert werden. Das Modul „Inventarisierung” ermöglicht es, bewegliches Inventar (wie einen Staubsauger) mit einem Barcode zu kennzeichnen und nachzuverfolgen. Darüber hinaus können mit diesem Modul die Dokumentation der gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen an elektrischen Geräten (DGUV-Prüfungen) geplant und durchgeführt werden. Keep it simple and safe Q-KISS Keep it simple and safe – www.q-kiss.com Die Anwendung Q-Kiss der Firma Dr. Schnell ist konzipiert für das HACCP Qualitätsmanagement. Q-Kiss besteht aus zwei Elementen: dem Webportal und einer App. Sie können damit das Hygiene-Audit durchführen, die HACCPDokumentation papierlos führen oder die Temperatur von Kühlgeräte und Spülmaschinen mit Hilfe von Sensoren automatisch überwachen lassen. Zu Beginn wird ein Raumbuch angelegt und es muss festgesetzt werden, welche Benutzer mit welchen Rechten auf die Informationen zugreifen können. Anschließend lassen sich Maßnahmen einpflegen. Ein Beispiel hierfür wären Maßnahmen, die durchgeführt werden müssen, wenn die Temperatur im Kühlschrank eine bestimmte Temperatur überschreitet. Beim Festlegen verschiedener Aufgaben, wie Fenster in der Küche reinigen oder Unterhaltsreinigung der Böden, können Zeitintervalle angegeben werden, die von täglich über wöchentlich bis hin zu jährlich reichen. Nach der Erledigung der Aufgaben müssen die Mitarbeitenden die Liste unterschreiben. Stellt sich bei der Überprüfung der Aufgaben heraus, dass einige nicht zur Zufriedenheit erledigt wurden, kann dies notiert und mit Bildern dokumentiert werden. Bei notwendigen Nacharbeiten kann einfach eine neue Aufgabe erstellt werden. Bei der Durchführung eines Hygieneaudits können Sie einen Fragenkatalog benutzen, der gemeinsam mit dem Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure erstellt wurde. Möchten Sie ein individuelles Hygieneaudit durchführen, können Sie auch einen eigenen Fragenkatalog zusammenstellen. Später lassen sich die Ergebnisse mit den letzten durchgeführten Audits vergleichen. Im Webportal lassen sich die Stammdaten verwalten. Man kann auf die einzelnen HACCP-Dokumentationen zugreifen. Falls gewünscht, ist es möglich, die Ergebnisse auch als PDF-Datei zu exportieren. Urte Paaßen Infodienst 4/23 10 Digitalisierung

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