Infodienst 5 / Oktober 2018
Grundsätzlich sollte jeder Mensch, der in Deutschland leben und arbeiten möchte, so schnell wie möglich Deutsch sprechen, lesen und schreiben lernen. Gute Deutschkenntnisse können aber nicht in jedem Fall von vorherein vor- ausgesetzt werden. Für eine gelungene Gesamtintegration spielt die Zugangs- möglichkeit zum Arbeitsmarkt eine ent- scheidende Rolle. Umso wichtiger ist es, Maßnahmen für eine schnelle Arbeits- marktintegration auch ohne bereits er- worbene Deutschkenntnisse, zu schaf- fen. So kann die Arbeitssuche früher beginnen und Deutschkurse werden berufsbegleitend absolviert. Mit diesem neuen Ansatz wird nicht gewartet, bis umfassende berufsspezifi- sche Sprachkenntnisse vorliegen, um dann mit Maßnahmen zur Arbeitsmarkt- integration einzusetzen. Die sprachliche Lücke wird geschlossen, indem die Tests neben Deutsch in den wichtigsten Her- kunftssprachen der Zielgruppen angebo- ten werden. Dazu gehören Arabisch und Neupersisch, Russisch, Türkisch und Englisch. Was sind Voraussetzungen, um an einem Test teilnehmen zu können? Testteilnehmer sollten über einige Jahre Arbeitserfahrung verfügen und in ihrer Muttersprache alphabetisiert sein. Ge- flüchtete sollten zudem eine positive Bleibeperspektive in Deutschland ha- ben. Die Tests werden von der Bundes- agentur für Arbeit für die Teilnehmer kostenlos angeboten. Testteilnehmer können auf Basis der Ergebnisse besser einschätzen, für wel- che in Deutschland typischen betriebli- chen Einsatzfelder ihre beruflichen Kompetenzen zutreffen. Sie erhalten ei- nen ersten Einblick in die Anforderun- gen an das Arbeitsfeld und können für sich prüfen, ob sie in diesen Beruf ein- steigen und sich dort gegebenenfalls entwickeln wollen. Aus dem Test ergeben sich teilweise bereits erste Hinweise auf Qualifizie- rungsbedarfe. Der Kompetenztest wird durch eine Selbsteinschätzung ergänzt und erleichtert dadurch die Arbeits- suche, genauso wie eine möglichst pass- genaue Vermittlung in Qualifizierungs- maßnahmen, Probearbeit, Praktikum oder Beschäftigung. Kompetenzfeststellung statt Anerkennung von Abschlüssen Bisherige Möglichkeiten der Kompe- tenzfeststellung zielten entweder auf die Anerkennung von im Ausland erworbe- nen Berufsabschlüssen ab oder auf den nachträglichen Abschlusserwerb. Sie sind daher nur für eine kleine Gruppe der Flüchtlinge geeignet, die eine mit dem deutschen Standard vergleichbare Ausbildung absolviert haben. Für Zugewanderte und Geringqualifi- zierte fehlte den Vermittlern der Ar- beitsagenturen und Jobcenter bisher ein schnell durchzuführendes, aussagekräf- tiges und bundesweit einheitliches In- strument, das sprachentlastet die infor- mell erworbenen Kompetenzen für die Ausübung von beruflichen Tätigkeiten erfasst, die amArbeitsmarkt nachgefragt werden. Arbeitgeber erhalten nun über das Test- ergebnis von MYSKILLS eine erste Be- wertung der Kompetenzen der Bewerber und Hinweise auf mögliche Einsatz- felder im eigenen Betrieb. Es handelt sich dabei nicht um den Nachweis einer Berufsqualifikation, wie sie von den zu- ständigen Stellen für die einzelnen Aus- bildungsberufe ausgestellt werden. Der Test zeigt vielmehr, welche beruflichen Erfahrungen auch in anderer Arbeits- umgebung gesammelt werden konnten, auf denen sich aufbauen lässt. Von Berufs-Experten und Praktikern entwickelt Jeder Kompetenztest wurde von berufs- fachlichen Experten entwickelt. In Pra- xisworkshops wurde die Entwicklung der Kompetenzfelder und des dazugehö- rigen Fragekataloges mit Vertretern der zuständigen Stellen, Ausbildern und anderen Berufspraktikern diskutiert und evaluiert. Auch der für den Beruf jeweils federführende Fachverband wurde in die Testentwicklung eingebunden. Wissenschaftlich wurde die Entwick- lung der Testverfahren von der Bertels- mann-Stiftung geleitet und vom For- schungsinstitut für Betriebliche Bildung (f-bb), der Humboldt-Universität zu Berlin und der Freien Universität Berlin, der Universität Ulm und des Deutschen Instituts für internationale pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt am Main begleitet. Schritt für Schritt wurde die Entwicklung und Umsetzung des Test- verfahrens überprüft. Zusätzlich wurde das Projekt von einem Projektbeirat mit Vertretern der Arbeitgeber- und Arbeit- nehmerseite, den Kammern sowie dem Bundesministerium begleitet. Berufsverband Hauswirtschaft hat mitgearbeitet Die Entwicklung des Kompetenz- modells Hauswirtschaft wurde von der Infodienst 5/18 8 Foto: fotolia
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